Feminismus

von hammwanich

In den letzten Tagen ging und geht immer noch ein #Aufschrei durchs Netz, in dem sich Frauen aller Altersklassen, Hautfarben und Sexualvorlieben gegen Alltagssexismus wehren. Sehr gut. Sehr richtig. Sehr wichtig. Und zu diesem Thema ist bereits viel Kluges und Durchdachtes geschrieben worden. Eine aktuelle Übersicht zur Debatte finden Sie hier bei Anke Gröner und noch umfassender hier auf kleinerdrei.

Was mir aber in der Debatte aufstößt und was mich nervt sind die unzähligen Äußerungen von Frauen, sie hätten es ja eigentlich nicht so mit dem Feminismus. Warum? Weil Feminismus im 21. Jahrhundert angeblich irgendwie bäh, überkommen, verhärtet, männerhassend, unweiblich, komplex, ausgrenzend und anstrengend ist? Weil die Mädchenmannschaft eine Sprache spricht, die niemand ohne Studienabschluss in Geschlechterforschung auch nur annähernd versteht, weil Alice Schwarzer ja irgendwie auch von gestern ist, weil diese kurzhaarigen Lesben Männer ja per se als Täter verurteilen, weil sich der Stempel „Feministin“ aus den eben genannten Gründen irgendwie uncool anfühlt? Entschuldigung, aber das halte ich für großen Quark.

Der Feminismus besteht nicht nur aus einigen wenigen Personen. Feministinnen sind nicht immer nur die, die am lautesten Rufen und deren Rufe man dann halt am ehesten vernimmt. Nein, Feministinnen sind alle Frauen, die sich für die Gleichberechtigung, die Menschenwürde und die Selbstbestimmung von Frauen einsetzen. Punkt.

Und deshalb ist der Feminismus wichtig. Deshalb sind Feministinnen wichtig. Viele und dabei möglichst viele unterschiedliche. Und wenn die lautesten Feministinnen einen Kurs fahren, den diejenigen, die jetzt #Aufschrei ihre Stimme leihen, nicht mit fahren wollen, dann bedeutet dies nicht, dass der Feminismus schlecht ist. Sondern nur, dass die anderen halt noch den Diskurs bestimmen.

Die anderen? Ups. Ist es Ihnen aufgefallen? Heißen Sie an dieser Stelle herzlich die Grande Dame des Feminismus willkommen: Das weibliche Solidaritätsparadoxon. Eigentlich ziehen wir alle am gleichen Strang, eigentlich kämpfen wir für dasselbe und eigentlich wollen wir alle anderen leben lassen wie sie wollen, wenn sich nur diese anderen endlich mal der eigenen Meinung anschließen würden. Denn es ist ja auch verdammt anstrengend dieses erklären und erläutern, dieses diskutieren und anschließend womöglich noch den eigenen Standpunkt überdenken. Ja verdammt noch mal, das ist es. Es ist aber auch das, was notwendig ist, wenn wir die Gesellschaft verändern wollen. Und es ist das, was rund um #Aufschrei bereits an vielen Orten passiert.

Also, wenn Sie, oder Sie dahinten, ein Problem mit dem Begriff Feminismus haben, dann überlegen Sie doch mal kurz was Ihnen wichtiger ist: Sich nur deshalb von einem Wort abzugrenzen damit sie nicht in Verdacht geraten einen asymmetrischen Haarschnitt zu tragen oder gemeinschaftlich etwas zu bewegen? Und damit dem zu unrecht geschmähten Wort Feminismus eine Stimme zu geben und Vielfalt deutlich zu machen. Denn wir brauchen keinen neuen, anderen Feminismus. Der bereits existierende hat noch Plätze frei.

Advertisements