Fliegzeug, Flugzeug, Flogzeug

von hammwanich

Urlaub Tag 1: Dortmund — Palma

Der Mensch ist nicht für das Fliegen erschaffen worden. Sollten wir fliegen können, hätten wir Flügel anstatt Arme und sähen sowieso ganz anders aus. Dummerweise liegen zwischen dem Heimathafen und dem angepeilten Urlaubsziel mehr als 1.500 km und das Mittelmeer, oder besser gesagt ein Teil des Mittelmeeres. Hops, in zwei Stunden ist man drüben mit dem Flieger, und wer Urlaub machen will muss leiden, respektive die Flugangst überwinden.

Also beißen die Frau und ich gemeinsam in den sauren Apfel und ziehen uns Feigenblätter an buchen einen Flug von Dortmund nach Palma de Mallorca. Ja, Mallorca. Nachdem ich fünfzehn Jahre lang  des Deutschen beliebtestes Eiland abgelehnt habe, genährt durch böse Reportagen der privaten Sendeanstalten, lasse ich mich hoffentlich eines besseren belehren. Und wir sind ja aufgeklärte Individualtouristen mit Wanderschuhen im Gepäck. Da kann fast nichts schief gehen.

Der Flughafen Dortmund ist mehr so das Kötschenbroder an der Knatter der hiesigen Abhebestationen. Mir gefällt das, es gibt keine Möglichkeiten sich zu verlaufen und Check-In und Sicherheitskontrolle hat man schnell hinter sich gebracht. Auch wenn man, wie in meinem Fall, dieses Piepsding auslöst und die Schuhe ausziehen muss, man dann immer noch piepst und es quasi nicht aufhören will zu piepsen. Das linke Bein ist schuld, und mir fallen die Titanschrauben im Knie ein, die mein Ersatzkreuzband da halten wo es hingehört. Die strenge Sicherheitsdame fragt nach einem Ausweis für die Schrauben, den ich natürlich nicht habe und der mir daraufhin ans Herz gelegt wird.  Sie ist aber wohl trotz des fehlenden Dokuments der Überzeugung, dass ich nicht vorhabe mein Knie, mich selbst und die mitfliegende Neckermann-Reisegruppe in die Luft zu sprengen und ich darf durch.

Die Wartezeit bis zum Boarding vertreiben die Liebste und ich uns mit abwechselndem Besuch der Nasszelle (Nervosität, my ass) und lauschen belustigt der ständigen Wiederholung folgender Durchsage: „Passagiere, die bereits im Besitz Ihrer Boardingcard sind, werden gebeten sich in den Warteraum in der Abflughalle zu begeben.“  Angesichts der etwa 200 Menschen, die sich im kompletten Fughafengebäude aufhalten, muss man jederzeit die Besucherströme lenken um etwaige Staus und eine Massenpanik zu vermeiden.

Das Flugzeug wirkt vertrauenserweckend irgendwie, zumindest netter als dieser unselige Cityhopser mit dem ich da mal im wahrsten Sinne des Wortes nach München gehopst bin. Es gibt Zeitschriften und ich entscheide mich für irgendwas Knalliges mit viel Magenta Yellow Press, pah auf dem Titel und mit Klatsch auf den Innenseiten. Die Liebste überlässt mir den Fensterplatz und meint, das wäre am Besten so, gerade wenn man fliegen nicht so mag. Sie mag es auch nicht, hopst beruflich aber deutlich öfter, und ich bin dankbar beim Flug die Kurven auch zu sehen und nicht nur irgendwelche undefinierbaren Signale an mein Gehirn gesendet zu bekommen, ohne diese räumlich nachvollziehen zu können.

Das Wetter ist super, die Sonne scheint und draußen liegt noch Schnee. Keine Wolken und das ist gut, dann ruckelt es weniger. Trotzdem kribbelt es im Bauch und macht ganz schön hui und die Nervosität geht den ganzen Flug über nicht so richtig weg. Auch wenn alles gut ist und die Aussicht auf die Spielzeuglandschaft da unten und das Mittelmeer toll. Zwei Stunden später ist dann alles überstanden und wir setzen zur Landung an. Ich freu mich ja immer  auf die Landung, auch wenn das keiner versteht, weil die am gefährlichsten sein soll. Mir egal. Landung bedeutet in meiner Welt einfach: Der Flug ist bald vorbei und wir sind jetzt wieder unten. Und unten ist gut. Punkt.

Palma heißt uns mit 15° C und Sonnenschein herzlich Willkommen. Jetzt müssen wir nur noch den Zielort anvisieren und verlassen uns da ganz auf den öffentlichen Nah- und Fernverkehr der Insel. Der sich in den nächsten zwei Wochen als sehr gut heraus stellen sollte. Aber das wissen wir ja noch nicht und fahren erstmal mit dem Flughafenshuttle zur Placa d’Espanya in die Innenstadt Palmas. Laut unseres topaktuellen Reiseführers befindet sich in der Nähe auch der zentrale Busbahnhof. Wir müssen lediglich das Gepäck ca. 1 km durch einen neu angelegten Park schleppen bzw. ziehen.  Am Ende des Parkes ist da aber nix. Niente. Kein Busbahnhof. Wir laufen ziellos um ein paar Ecken und die Frau entdeckt plötzlich ein Schild, auf dem wir freundlich darauf hingewiesen werden, dass sich die Busse jetzt am anderen Ende des Parks sammeln. Müssen wir halt wieder zurück, aber schließlich sind wir ja auch zum wandern nach Mallorca geflogen, da kann man sich ja schon mal ein bisschen einlaufen. Da angekommen wo wir herkamen ist aber erkennbar auch kein Busbahnhof, nur der Zugang zum unterirdischen Bahnhof, in dem die Züge abfahren und der mir gleich am Anfang schon aufgefallen war.  Der Frau auch, aber wir sind beide nicht auf die Idee gekommen, mal nachzuschauen ob da nicht vielleicht auch Busse … Man hat ja den Reiseführer. Überhaupt der Reiseführer, dazu muss ich auch nochmal was berichten, später.

Also in Palma befindet sich der Busbahnhof unterirdisch, eigentlich eine gute Idee. Ein bisschen warten auf den Bus, eine halbe Stunde Fahrt uns schon sind wir in Sóller.  Unser Hostal ist hübsch, schlichte Zimmereinrichtung, ein nigelnagelneues Bad und alles glänzt, so sauber ist es.  Wir bestellen bei der älteren Dame, die zusammen mit noch einer älteren und einer sehr alten Dame das Hostal führt, Frühstück für den nächsten Tag und machen uns auf zu einer kleinen Entdeckungstour durch die Stadt, die wir mit einem leckeren Essen und gutem Rotwein abschließen.

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